Harp Summit CD Cover

The Cook Islands Drummers
PACIFIC DRUMS

KW 20024
Digipack
Trommelpuls von der anderen Seite des Tages
Rarotonga & Aitutaki / Cook-Islands)

Direkt unter uns, auf der anderen Seite der Erde, jenseits der Datumsgrenze, dort wo gestern heute ist, und heute morgen.... mitten im pazifischen Ozean, der ein Drittel der Erde bedeckt.....dort liegen die Südseeinseln Polynesiens. Eine Welt der winzigen Inseln mit riesigen Entfernungen, Atollen und Korallenriffen, von der wir wenig wissen, und noch dazu ist unser Blick auf Ozeanien verstellt durch romantische Klischees des frühen 20. Jahrhunderts, als man dort den “Edlen Wilden” entdeckten (...während gleichzeitig Missionare des ”Christlichen Abendlandes” die einheimische Kultur gründlich ausrotteten). Und wer denkt dabei nicht an sanfte Hulamädchen, die zu süßlicher Ukulelemusik ihre Hüften anmutig schwingen? Was normalerweise als "Südseeklang" zu uns kommt, beschränkt sich auf glattgebügelte Baströckchen-Touristen- Schein-Folklore. Natürlich gibt es diese süße Seite des Lebens.

Auf dieser CD aber zeigen wir einmal die andere Seite: Die Trommeltänze der Südsee. Leider ist dieser Aspekt der Maorimusik bei uns ganz unbekannt - fast so, als wollte man die maskuline Seite dieser Kultur nicht wahrnehmen, weil die feminine so anziehend ist. In Wahrheit aber spielen die Trommeln in der Südsee eine genauso wichtige Rolle wie die eleganten Tänzerinnen -  die fantastische Kunst der wuchtigen, rasend pulsierenden Schlitztrommeln, der kriegerischen Gesänge und anfeuernden Tanzrhythmen.

Ich war absolut hingerissen, als ich  zum ersten mal die Trommeln der Südsee hörte, und sehr überrascht, daß diese Klänge aus Ozeanien kommen, die für mich so afrikanisch/karibisch klangen. Fast 20 Jahre hat es gedauert, bis ich in die Südsee kam, um diese Musik im Original zu erleben und aufzunehmen.

Auch im Pazifik lebt man im Spannungsfeld von Extremen. Schon die Natur zeigt sich dort zugespitzt von zwei extremen Seiten: Einerseits das bekannte Bild von Kokospalmen an blütenweißen Sandstränden, tropischer Überfluss an Früchten, fruchtbare vulkanische Erde, ein Leben im langsamen Tempo. Andererseits: Schwere Wirbelstürme, die den Menschen die Häuser wegreissen, und die Bedrohung durch globale Erwärmung: Durch den steigenden Meeresspiegel wird mache Insel untergehen. Dazu Überfischung durch Fabrikschiffe, Korallensterben, schwerste Umweltverseuchung durch Nukleartests und Verlust der sozialen und kulturellen Identität der einheimischen Bevölkerung.

Auch in der Musik der Südseebewohner manifestieren sich zugespitzten Gegensätze in den femininen und maskulinen Klang-Aspekten. Einerseits der feine, vielstimmige, sanfte Gesang zu harmonischen Durakkorden der Saiteninstrumente, der erotische Hüftschwung der Tänzerinnen, der nicht nur für Touristen vorgeführt wird, sondern auch bei Zusammenkünften der Einheimischen - andererseits der feurige, wilde Trommelpuls der Männer, eine Trommelmusik, die sich durchaus messen kann mit  afrikanischen und karibischen Trommelkünsten. Jedes langsame Lied geht, nach einem markanten Trommelruf, direkt über in ein schnelles Tanz-Trommelstück.

Diese CD konzentriert sich also auf die Trommelrhythmen. Die ganze Musik, das ganze Leben dort ist unterlegt von einem ständigen Grundton: dem Bass-Bordun der tosenden Brandung  draußen am Riff.
Wir wollen wir die pazifischen Trommler als Musiker ernst nehmen, und nicht nur als Begleiter hinter den Mädchen.
Als die besten Trommler im ganzen Pazifik gelten diejenigen von den  Cook-Islands, genauer von den Inseln Rarotonga und Aitutaki. Und von dort kommt die Musik dieser CD - auf hölzernen Schlitztrommeln , Basstrommeln und Bongo-ähnlichen Felltrommeln.

Und wir hören: Absolut autentische, pulsierende Lebensfreude !

Trommeln

Die Schlitztrommeln (Tikida) werden aus Mahagoni, Hibiskus oder Palmholz hergestellt. Sie sind so ausgehöhlt, daß eine 2-5cm dicke Wandung stehen bleibt, die einen klaren, definierten Ton hergibt, wenn sie mit hölzernen Schlägeln (Tsitsi Pate) angeschlagen wird. Diese Trommeln werden traditionell sitzend auf den Knien gehalten, so daß der Musiker sie mit zwei Schlägeln von zwei Seiten anschlagen kann. Ein schneller Grundpuls  wird dabei durch festgelegte Schläge akzentuiert, die von allen Trommlern unisono mitgespielt werden. Die Schlitztrommeln sind unterschiedlich groß, von ganz hohen, die nur 20cm lang sind und als Signal/Führungsinstrument eingesetzt werden (Tikida), bis zu langen, schweren Trommeln von 1m Länge, die einen sonoren Klang besitzen (Pate).

Von Insel zu Insel unterscheiden sich auch die typischen Größen. Von der Insel Pukapuka her hat sich ein neues ”Modeinstrument” zum Ensemble gesellt: ein Blechkanister, der mit der gleichen Technik gespielt wird, aber einen metallischen, Snare-ähnlichen Sound hat und der Musik ein zusätzliches Sambaflair verleiht. Auf der südlichsten Cook-Insel, Manahiki, hat sich eine mehr Felltrommel-orientierte Musik gehalten. Von dort stammt die kleine bongoähnliche Signaltrommel (Pau Mango), die mit Haifischhaut bespannt ist, und die den Musikern das Tempo angibt. Den Grundbeat schlägt eine doppelfellige Basstrommel  (Pao).

Die Maori der Südsee sind lebensfrohe Menschen. Die vielstimmigen Gesänge sind eine alte Kunst, schon die ersten Europäischen Entdeckungsreisenden waren überrascht von der Qualität der Polyphonie. Fanatische Missionare griffen jedoch im 19./20. Jahrhundert massiv und zerstörerisch in das kulturelle Leben der Maori ein. Die mehrstimmigen Gesänge erhielten sich - sie wandelten zu ergreifenden Kirchenliedern. Aber die Trommelmusik und die damit verbundenen Tänze wurden als unzüchtig angesehen und verboten, zusammen mit den alten Göttern und den heiligen Stätten. Sie überlebten nur im Verborgenen. Nun haben sich die Zeiten geändert. Die Trommeltänze erleben heute ein Revival. Aber der alte Lebensstil ist Vergangenheit.

Die Südseeinsulaner leben jetzt ähnlich wie Neuseeländer - mit einer Ausnahme: Ihre kulturelle Identität gründet sich wieder auf die traditionelle Musik und die alten Tänze. Es gibt nur wenige Völker auf der Erde, die so viel musizieren und tanzen wie die Cook Islanders. Die Musiker, die man auf dieser CD hört, finden sich in immer neuen Gruppen zusammen, auf Rarotonga unter den Namen Temana,Te Korero Maori, Orama, Tuparoro  und auf Aitutaki  als Tamarua, Uria..., mit wechselnden Besetzungen. Die Trommelstücke gelten als traditionelles Allgemeingut, eine Art gemeinsame Musiksprache, die jeder kennt. Es ist an der Zeit, daß wir diese Musik entdecken!


Tonbeispiele

  DSL
VIDEO (nicht auf CD!) 5,53 MB
Tonbeispiel 1 627 KB
Tonbeispiel 2 608 KB

 


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